Was bisher geschah

Fast vier Monate wohne ich jetzt schon in der neuen Stadt und die erste Phase der Eingewöhnung liegt hinter mir. Anfangs fühlte ich mich völlig reizüberflutet. Das lag nicht nur daran, dass alles neu war, wie das eben so ist nach einem Umzug, sondern dass ich zum ersten Mal seit 17 Jahren wieder in einer richtigen Großstadt lebe. Von der Einwohnerzahl her etwa so groß wie Bochum, von der Fläche sogar größer als Frankfurt a.M.

Obwohl ich Rasen an Rasen an einem kleinen Park mit einer Schwanenfamilie als Nachbarn wohne, mit ausreichend Bäumen vor der Tür und Landschaft direkt um die Ecke, waren es zu Anfang doch recht viele Leute, Leute, Autos, Häuser, Häuser, Häuser, Leute, Leute, noch mehr Leute, Autos, Autos und dauernd Hunde an der Leine.

Mittlerweile habe ich mich da herein gefunden, fahre in die Gemeinde lieber den Weg über Land, statt durch das Industriegebiet und weiß den italienischen und asiatischen Supermarkt sowie jedwedes andere Geschäft in relativer Nähe zu schätzen. Weiterlesen

Schnullipups

Manche Sachen habe ich noch als Erstausstrahlung gesehen: Heidi, Biene Maja, Til Schweiger (als Jo Zenker in der Lindenstraße) und die Schwarzwaldklinik. Nur ein Jahr nach „Das Schweigen der Lämmer“ und kurz vor einer verspiegelten Sonnenbrille fing ich außerdem an, mich in die Trends der nachfolgenden Generation einzuarbeiten: Zuerst der Maxi Cosi, dann die Gummibärchenbande und diverse Pokemons. Letzten Sommer ging es um das hier und wir sind immer noch nicht fertig.

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Ich ess‘ Suppe

Im Allgemeinen habe ich ja nichts dagegen, dass Luther, angeregt durch die Lektüre des Römerbriefs, das Leistungsprinzip im Glauben abgeschafft hat. Außer wenn ich Zahnschmerzen habe. Dann hadere ich mit Gott: Ich habe eine dicke Backe, obwohl ich meinen Teller leer gegessen/vor dem Essen gebetet/meine Arbeit gemacht habe? Pah, wenn Jesus mir nicht helfen will,
muss es eben ein Zahnarzt tun.

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Wer hat Angst vor’m schwarzen Mann?

„Ich habe mich gerade eine Stunde lang unterhalten“, erzählte mir eine Seniorin mit leuchtenden Augen. „Da kam nämlich ein Mann in die Gemeinde, der kaum Deutsch konnte. Wir haben die ganze Zeit mit Händen und Füßen geredet. Und: Der war ein Neger!“

Ja, wenn man über 80 Jahre alt ist, sein Lebtag hart gearbeitet und wenig diskutiert hat, heißen schwarze Menschen „Neger“. Und wo jeder politisch aufgeklärte Mensch nach einer DolmetscherIn gesucht und sein Gewissen auf kulturelle Defizite erforscht hätte (für das Gespräch bleibt dann natürlich keine Zeit), beginnt diese Dame trotzdem eine Unterhaltung: Mit Händen und Füßen, pardon mit Gesten.

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On the Top

Für den Sommer hatte ich mir drei Tops gekauft.
Ein weißes, ein schwarzes und dieses hier:

On the Top

Aber irgendwie kam ich mit dem Teil nicht klar. Nicht, dass es nicht gepasst hätte. Ich fühlte mich nur nicht wohl darin. Lange überlegt, woran das liegen könnte und es dann herausgefunden:

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Populäre Irrtümer 5

Gemeindefest: Die PfarrerIn merkt nicht, wie ich mich unter Aufbietung letzter Kräfte nach vorne zum Abendmahl schleppe, aber nach dem Gottesdienst einen fulminanten Sprint  hinlege, um die erste am Waffelstand zu sein.